Verlag sucht Chancengerechtigkeit?
Unter der Überschrift "Verlegermut und Chancengleichheit für die Autoren" versucht Wilko Müller im Verlags- Newsletter "Wort-Gewandt 3/08" eine Art Selbstverständigung des Projekte-Verlags Halle. Sieht man sich als Zuzahl- bzw. Druckkostenzuschuss-Verlag oder als Hort der Hochliteratur? Wieso gibt es Verlage, die sich die Herstellung ihrer Bücher von den Autoren bezahlen lassen?
Weil die Autoren eitel sind, zu viel Geld haben und sich den eigenen Namen auf dem Buchdeckel etwas kosten lassen wollen. Vanity Press nennt man das im Englischen, Eitelkeits-Veröffentlichungen. "Verlag" kommt von "vorlegen", d.h. ein Verlag übernimmt komplett die Kosten für eine Veröffentlichung incl. Werbung, in der einigermaßen begründeten Hoffnung, dass er das vorgelegte Geld wieder herein bekommt. Bei traditionellen Verlagen gibt es eine Qualitätsprüfung, beim Zuzahl-Verlag interessieren mögliche Leser eher weniger, mehr die Zahlungsfähigkeit und -willigkeit der AutorInnen. Sicher gibt es auf dem Markt viel Import-Mist, Promi-Geschwätz und Schmuddelkram. Sicher haben Erstautoren da schlechte Chancen, doch sie werden am Buchmarkt sofort "Unberührbare", wenn sie ihr Geld erkennbar für "Druckkosten" ausgeben. Sicher werden eingesandte Manuskripte bei etablierten Verlagen oftmals ungelesen zurück geschickt. Denn die wollen das hochspannende Manuskript von Hausfrau Nadine über ihre Mallorca-Reise oder den gesammelten DDR-Frust von Rentner Erwin nicht erst als dicken Packen Papier lesen. Sondern vielleicht in einem frühen Stadium ein Expose' bekommen und ein paar Seiten Stilprobe. Und das neunhundertneunundneunzigste Kinderbuch mit Häschen Purzel und Kätzchen Moritz findet man dort auch nicht mehr so originell. Anders im Zuzahl-Gewerbe, ab 792,30 Euro ist man beim "Projekte-Verlag" dabei. Dass Verbände und Vereine von Schreibenden da Abstand halten, hat weniger mit Elitedünkel, Denkfaulheit oder Risikoscheu zu tun. Wer sich die Mühe machen wollte, die tatsächliche literarische und handwerkliche Qualität jeder Eitelkeits-Veröffentlichung zu prüfen, würde in 95 % der Fälle das so gut aussehende Buch mit einem Lach- oder Schreikrampf - je nach Temperament - in die Ecke schleudern oder behutsam in die Altpapier-Tonne legen.
Die "Projekte"-Macher sehen sich verständlicherweise anders: "Wir sind jung, scheuen nicht das Risiko, sind neugierig und auch an Experimenten interessiert." Wir sind jung und brauchen das Geld? Chancengerechtigkeit für die Autoren stehe im Mittelpunkt, wofür diese lediglich einen "Risikoanteil von 20 %" zahlten. Wenn man annimmt, dass der durchschnittliche Herstellungspreis für ein komplette Demand-Veröffentlichung bei höchstens 200,- Euro liegt, der Autor aber mindestens 792,30 Euro zahlt, wären das schon 396 % "Risikoanteil". Dafür gibt es dann eine Rechtschreib-Korrektur und am Layout wird auch gebastelt. Äußerlich entsteht ein "richtiges Buch", grafisch, designerisch und haptisch durchaus gut bis sehr gut gemacht. Den stolzen Autoren wird vorgegaukelt, ihre Werke stünden jetzt in einer Reihe mit denen von Eichendorff und Lessing. Schließlich bekommen sie ja zwischen 7 und 12,5 % des Nettoabgabepreises als Autorengewinn. Ein Nullsummenspiel, da fast nur der Autor, seine Verwandten und Bekannten kaufen. Für kleine Privat- oder Vereinsschriften und anspruchslose Anthologien ist diese Veröffentlichungsform durchaus geeignet, auch für Leute, die wirklich nur ihrer Katze eine Freude machen wollen. ("Guck mal Mietzi...") Zuzahl-Verlage bestätigen Erstautoren in ihren Vorurteilen gegenüber der Literaturszene, ohne diesen eine Alternative bieten zu können. "Projekte" ist ein Soft-Zuzahlverlag und er ist damit nicht mehr allein in Halle. Auch der Mitteldeutsche Verlag hat mittlerweile immer mehr Bücher wie "Unser Alfred - aus dem Leben eines Trabis" im Programm.
MDV-Lektorin Sabine Franke in "Federwelt 100": "Wir denken in kleineren Kategorien, also bin ich darauf angewiesen, Autoren zu finden, die sich auf die entsprechend andere Gangart einlassen - niedrigere, realistisch kalkulierte Auflagenhöhen, die Tatsache, dass wir weder Vorschüsse zahlen noch eine große Medienpräsenz durch Werbemittel garantieren können." Und so schwillt der Strom der Sprechenden-Trabi-Bücher, Katzenbiographien und Wenderecken-Legenden immer noch an. Strafmindernd könnten da vielleicht Qualitätskennzeichen werden, wie es sie z. B. bei Gentechnik-freien Lebensmitteln schon gibt. Das Prüfsiegel "Zuzahlungsfrei" könnten Autorenverbände vergeben und besonders zertifizierte Verlage dürften das Label "Von frei laufenden Lektoren betreut" auf ihre Bücher setzen.
Weil die Autoren eitel sind, zu viel Geld haben und sich den eigenen Namen auf dem Buchdeckel etwas kosten lassen wollen. Vanity Press nennt man das im Englischen, Eitelkeits-Veröffentlichungen. "Verlag" kommt von "vorlegen", d.h. ein Verlag übernimmt komplett die Kosten für eine Veröffentlichung incl. Werbung, in der einigermaßen begründeten Hoffnung, dass er das vorgelegte Geld wieder herein bekommt. Bei traditionellen Verlagen gibt es eine Qualitätsprüfung, beim Zuzahl-Verlag interessieren mögliche Leser eher weniger, mehr die Zahlungsfähigkeit und -willigkeit der AutorInnen. Sicher gibt es auf dem Markt viel Import-Mist, Promi-Geschwätz und Schmuddelkram. Sicher haben Erstautoren da schlechte Chancen, doch sie werden am Buchmarkt sofort "Unberührbare", wenn sie ihr Geld erkennbar für "Druckkosten" ausgeben. Sicher werden eingesandte Manuskripte bei etablierten Verlagen oftmals ungelesen zurück geschickt. Denn die wollen das hochspannende Manuskript von Hausfrau Nadine über ihre Mallorca-Reise oder den gesammelten DDR-Frust von Rentner Erwin nicht erst als dicken Packen Papier lesen. Sondern vielleicht in einem frühen Stadium ein Expose' bekommen und ein paar Seiten Stilprobe. Und das neunhundertneunundneunzigste Kinderbuch mit Häschen Purzel und Kätzchen Moritz findet man dort auch nicht mehr so originell. Anders im Zuzahl-Gewerbe, ab 792,30 Euro ist man beim "Projekte-Verlag" dabei. Dass Verbände und Vereine von Schreibenden da Abstand halten, hat weniger mit Elitedünkel, Denkfaulheit oder Risikoscheu zu tun. Wer sich die Mühe machen wollte, die tatsächliche literarische und handwerkliche Qualität jeder Eitelkeits-Veröffentlichung zu prüfen, würde in 95 % der Fälle das so gut aussehende Buch mit einem Lach- oder Schreikrampf - je nach Temperament - in die Ecke schleudern oder behutsam in die Altpapier-Tonne legen.
Die "Projekte"-Macher sehen sich verständlicherweise anders: "Wir sind jung, scheuen nicht das Risiko, sind neugierig und auch an Experimenten interessiert." Wir sind jung und brauchen das Geld? Chancengerechtigkeit für die Autoren stehe im Mittelpunkt, wofür diese lediglich einen "Risikoanteil von 20 %" zahlten. Wenn man annimmt, dass der durchschnittliche Herstellungspreis für ein komplette Demand-Veröffentlichung bei höchstens 200,- Euro liegt, der Autor aber mindestens 792,30 Euro zahlt, wären das schon 396 % "Risikoanteil". Dafür gibt es dann eine Rechtschreib-Korrektur und am Layout wird auch gebastelt. Äußerlich entsteht ein "richtiges Buch", grafisch, designerisch und haptisch durchaus gut bis sehr gut gemacht. Den stolzen Autoren wird vorgegaukelt, ihre Werke stünden jetzt in einer Reihe mit denen von Eichendorff und Lessing. Schließlich bekommen sie ja zwischen 7 und 12,5 % des Nettoabgabepreises als Autorengewinn. Ein Nullsummenspiel, da fast nur der Autor, seine Verwandten und Bekannten kaufen. Für kleine Privat- oder Vereinsschriften und anspruchslose Anthologien ist diese Veröffentlichungsform durchaus geeignet, auch für Leute, die wirklich nur ihrer Katze eine Freude machen wollen. ("Guck mal Mietzi...") Zuzahl-Verlage bestätigen Erstautoren in ihren Vorurteilen gegenüber der Literaturszene, ohne diesen eine Alternative bieten zu können. "Projekte" ist ein Soft-Zuzahlverlag und er ist damit nicht mehr allein in Halle. Auch der Mitteldeutsche Verlag hat mittlerweile immer mehr Bücher wie "Unser Alfred - aus dem Leben eines Trabis" im Programm.
MDV-Lektorin Sabine Franke in "Federwelt 100": "Wir denken in kleineren Kategorien, also bin ich darauf angewiesen, Autoren zu finden, die sich auf die entsprechend andere Gangart einlassen - niedrigere, realistisch kalkulierte Auflagenhöhen, die Tatsache, dass wir weder Vorschüsse zahlen noch eine große Medienpräsenz durch Werbemittel garantieren können." Und so schwillt der Strom der Sprechenden-Trabi-Bücher, Katzenbiographien und Wenderecken-Legenden immer noch an. Strafmindernd könnten da vielleicht Qualitätskennzeichen werden, wie es sie z. B. bei Gentechnik-freien Lebensmitteln schon gibt. Das Prüfsiegel "Zuzahlungsfrei" könnten Autorenverbände vergeben und besonders zertifizierte Verlage dürften das Label "Von frei laufenden Lektoren betreut" auf ihre Bücher setzen.
stulli - 5. Jul, 00:14